125 Jahre Schulgeschichte 1877 – 2005
Unser Schulhaus entstand
„In Käfertal wurde in den Jahren 1742 – 47 genau an der Stelle unseres heutigen Vorderhauses der Käfertalschule ein zweistöckiges Jagdschloss gebaut mit einem Saal und einigen Zimmern im Erdgeschoss, weiteren Zimmern ( insgesamt sollen es 42 Zimmer gewesen sein) und der Wohnung des Verwalters im Obergeschoss. Die mächtigen gewölbten Kellerräume, die heute noch von der Schule genutzt werden, sollen Ausgangspunkt eines Systems von unterirdischen Gängen gewesen sein, das das gesamte Schlossgelände – Wormser Str. 18 ( Pfarrhaus St. Laurentius ) bis 26 ( Käfertalschule ) durchzogen haben soll. Beim Bau des Hauses Nr. 24 ( heute Ostteil des Schulparkplatzes ) sei ein solcher zugeschütteter Gang zum Vorschein gekommen.
Östlich des Jagdhauses – ebenfalls auf dem heutigen Parkplatz – stand ein nicht unterkellertes großes Wirtschaftsgebäude mit Ställen und einem Tanzsaal im Obergeschoss. Es war bis Juli 1971 Hausmeisterhaus und musste im Herbst 1971 wegen Baufälligkeit abgerissen werden.“ ( Zitat aus der Festschrift zum 750jährigen Bestehen von Käfertal von Hans Christoph Ungerer )

Schulhaus um 1900 Quelle: Fam. Pott, Käfertal
Die Kinder beider Konfessionen wurden zusammen unterrichtet, denn in Baden war im Jahre 1876 die Simultanschule gesetzlich eingeführt worden. Nur der Religionsunterricht wurde getrennt erteilt.
Zuvor hatte es schon eine evangelische Schule im Eckhaus Mannheimer Straße – Unionsstraße gegeben und eine katholische Schule im späteren Käfertaler Krankenhaus neben der katholischen Kirche. Der Unterricht in diesen Schulen bestand allerdings nur im Vorsprechen und Nachsagen von biblischen Texten und Liedern.
Nun konnten alle Käfertaler gemeinsam mit den deutschen Kindern aus Waldhof eine Schule besuchen. Waldhof war nämlich hauptsächlich von Franzosen besiedelt, die bei der Zweigniederlassung der Glasmanufaktur von St. Gobain angestellt waren.
4 Lehrer erteilten anfangs den Unterricht in der Käfertalschule. Diese waren wohl schon in den neu eingerichteten Lehrerseminaren ausgebildet und nicht – wie zuvor üblich – ausgediente Soldaten mit geringen Kenntnissen.
Das neue Schulhaus
1901 wurde im hinteren Hof mit dem Bau eines neuen Schulhauses begonnen. Dieses war Ostern 1903 bezugsfertig.
Der damalige Stadtschulrat Sickinger setzte sich nämlich sehr energisch sowohl für den inneren Ausbau des Schulwesens als auch für den Neubau von Schulhäusern ein.
Das neue Schulhaus hatte 12 Schulzimmer und einen großen Zeichensaal. Im Erdgeschoss befand sich auch ein öffentliches Volksbad, außerdem noch ein Schülerbad und eine große Küche für die Fortbildungsschülerinnen. Gleichzeitig wurde die Turnhalle erstellt.
Verwaltungsbericht Mannheim 1903 – 04, S. 153
Die Baukosten der ... beschriebenen 4 Volksschulhäuser betragen nach den jetzt vorliegenden Abrechnungen:
Kosten Kostenvoranschlag Erspart
Käferthal 209.218,63 M 246.700,- M 37.481,37 M
Zu dieser Zeit führte man auch in Käfertal die erweiterte Volksschule mit erweitertem Lehrplan und erhöhter Stundenzahl ein. Statt bisher 8 Lehrkräften unterrichteten jetzt 18, dazu kamen noch 4 Handarbeitslehrerinnen. Leiter der Schule wurde B. Schenk, nachdem der 1. Lehrer Jost in den Ruhestand getreten war.
Nach einigen Jahren gab es durch das Anwachsen der Bevölkerung wieder Raumnot, der durch einen Dachausbau der alten Schule und Holzbaracken im Hof abgeholfen wurde.

Postkarte Schulhaus nach Dachausbau um1910
Quelle: Frau Hofer, Käfertal
Die Zeit nach dem 2. Weltkrieg
Ab 18. Oktober 1945 erfolgten die Schüleraufnahmen in der Käfertalschule, die Albrecht-Dürerschule war noch nicht beziehbar. Anfangs waren es ca. 1400 Schüler und 15 Lehrer, 2 Handarbeitslehrerinnen und 1 Haushaltungslehrerin.
„ Die Raumnot war unbeschreiblich, denn es standen uns nur 7 Räume zur Verfügung. Der Lärm und die Unruhe der außer Rand und Band geratenen Jugend, die einer jeglichen Schulzucht lange Zeit entbehrte, war nervenaufreibend. Massenhaftes Schulschwänzen war an der Tagesordnung und es erforderte eine große Mühe, bis wieder ein einigermaßen geordneter Schulbetrieb durchgeführt werden konnte.“ Amand Christ.
Die Lehrernot wurde immer größer, denn es wurden viele entlassen, die der NSDAP angehört hatten. Daher mussten einige Lehrkräfte 3 Klassen unterrichten.
Die Wiedereröffnung der Albrecht-Dürerschule am 14. Januar 1946 brachte der Käfertalschule Entlastung. 1000 Schüler und 8 Lehrer wechselten die Schule.
Am 29.01.1946 wurde Hauptlehrer Christ zum Schulleiter ernannt.
Der Unterricht war zu dieser Zeit hauptsächlich auch durch den Mangel an Lernmitteln erschwert. Die „nazistisch durchseuchten“ Bücher waren von der Militärregierung verboten worden.
„ Hefte und Schiefertafeln waren nicht zu haben. Zum Glück hatten wir in einem Schrank im Zimmer Nr. 3, das mit Lehr- und Lernmitteln und allerlei anderen Dingen, Hobelbänken etc. vollgepfropft war und deshalb für den Unterricht ausfiel, eine größere Anzahl Hefte entdeckt, so daß wir für die erste Zeit denjenigen Schülern, die keine Hefte auftreiben konnten, solche für 10 Pf verkauften und den Erlös an die Stadtkasse des Stadtschulamts ablieferten.“ Amand Christ
Ein besonderes Problem stellte auch der unterschiedliche Kenntnisstand dar, da einige Schüler längere Zeit keine Schule besucht hatten. Daher musste Nachhilfeunterricht und Binnendifferenzierung stattfinden.
1945 – 46 wurde für die unterernährten und oft kranken Kinder vom roten Kreuz eine Schulspeisung durchgeführt, außerdem gab es bis 1950 für alle die von den Amerikanern gestiftete Hooverspeisung. Diese war anfangs unentgeltlich, später kostete sie 15 Pf für die besser Situierten. Später wurde die Schulspeisung dann vom Wohlfahrtsamt übernommen:
¼ l Milch und 1 Brötchen für 15 Pf.
Im Herbst 1946 konnten 5 weitere Räume im alten Schulhaus bezogen werden; zu dieser Zeit gab es 18 Klassen mit 679 Schülern und 15 Lehrern. In dieser Zeit wurde auch eine Sprachklasse gebildet mit Unterricht in Englisch.
Auch das Amt der Schülerlotsen, damals noch „Schülerpolizei“ wurde eingeführt, da täglich, besonders morgens vor Schulbeginn, lange Kolonnen von Kraftwagen der Besatzungsmächte am Schulhaus vorbeifuhren.